AKTUELLES
2010-06-16 - RACER-Härtetest in Peru im März/April 2010


Ende März sind wir wieder zurück in Südamerika, in Peru. Nach den üblichen Servicearbeiten starten wir in Richtung Süden, wir sind froh, das Verkehrsgewühl von Lima hinter uns zu lassen. Die Landschaft wirkt trostlos, nur Wüste und immer wieder riesige Hühnerfarmen. Darum gibt es in Peru immer und überall „Pollo“ in allen erdenklichen Variationen.
In Nasca unternehmen wir einen Rundflug über die berühmten Linien von Nasca. Es war nicht gerade ermunternd als wir hörten, dass einige Wochen zuvor ein Flugzeug abgestürzt war, mit fünf Todesopfern. Seitdem dürfen die Flugzeuge aus Sicherheitsgründen nur mehr mit Copiloten fliegen. Wir wagen es trotzdem und sind begeistert diese Scharrbilder sehen zu können. Riesige Bilder von einem Kolibri, Eidechse, ein Kondor mit einer Spannweite von 180 Metern, wir sind fasziniert. Vor allem waren diese Figuren für die damaligen Nasca-Menschen kaum im Ganzen ersichtlich. Übrigens, der Copilot war echt für den Hugo, kostet extra Geld und quasselt nur mit dem Piloten. Glaube, dass der vom Fliegen gar keine Ahnung hat!
Von Nasca fahren wir Richtung Süden der Küste entlang, nach Camana. Was zuerst mit einem leicht böigen Wind beginnt, entwickelt sich zu einem mittleren Sandsturm.
Der gewaltig am Lenker zerrt und uns immer wieder auf die Gegenfahrbahn drücken möchte. Wie feine Nadeln stechen die Sandkörner zwischen Brille und Helm. Nach Puerta Inca legt sich endlich der Sandsturm und wir können die Fahrt wieder genießen. Rechter Hand brechen sich die Wellen des Atlantiks an den Felsen, linker Hand teilweise steile Sandhänge, so zieht sich die Straße der Küste entlang.
Von der Küste schwenken wir ins Landesinnere zum Colca Canyon. Bei Pedregal verlassen wir die Asphaltstraße und werden gleich brutal von einer fürchterlichen Wellblechpiste empfangen. Die Piste schraubt sich durch die trostlose Landschaft auf über 3000 Meter hoch. Hier wird es endlich etwas abwechslungsreicher, die ersten Büsche tauchen auf und auch die scheuen Vicunas können wir beobachten.
Am Horizont erblicken wir die schneebedeckten Gipfel einiger Fünf- und Sechstausender. Wir überfahren eine Querrinne mit Steinen, plötzlich ein fürchterlicher Knall, kurz darauf ein Zischen, ich bleibe stehen und bemerke beim Absteigen einen dunklen Strich im Schotter, mir schwant böses. Ein Blick unter den Motor bestätigt meine Befürchtung, die Ölwanne ist kaputt! Und das in den Bergen auf fast 4000 Metern. Eine dieser Steinplatten hatte sich unter dem Rad gehoben und noch den letzten Zentimeter der Ölwanne erwischt und sie mitsamt dem starken Ölwannenschutz durchschlagen.
Marika geht ein Stück die Straße runter um zu sehen wie es weiter geht. Nach einiger Zeit kommt sie zurück und meint es geht nur bergab. Wir versuchen es mal wie weit wir kommen und lassen die BMW rollen. Außer einem kurzen Flachstück das wir schiebend (keuch, keuch) zurücklegen, geht es wirklich nur bergab. Nach etwa 20 Kilometern erreichen wir das Dorf Huamba. Wo wir uns in einem seeehr bescheidenen Hostal einquartieren.
Wir chartern einen Pickup. Als der um die Ecke biegt, bin ich mir nicht sicher, ob er uns heil ins Tal bringt. Das Fahrzeug, wie auch der Fahrer haben schon bessere Zeiten gesehen. Mit vereinten Kräften schieben wir die BMW hinauf und zurren sie fest. Dann quetschen wir uns zu dritt ins Fahrerhaus. Der Pickup quält sich die ersten Steigungen hoch, da bin ich mir nicht mehr sicher ob er auch die Höhe von 4000 Metern schafft, mit einigen Stopps zum Wasser nachfüllen schaffen wir es.
In Pedregal treiben wir einen Schweißer auf, bin mir nicht sicher ob der das mit seiner Autogenschweißanlage schafft? In über 7 Stunden schafft er das Puzzle der Ölwannenfragmente wieder zusammen zusetzten. Die Jungs sind perfekte „Improvisationskünstler“!
In Arequipa gönnen wir uns zwei Rasttage und sind begeistert von der Kolonialarchitektur. Von Arequipa aus versuchen wir es ein zweites Mal um in den Colca Canyon zu kommen. Auf über 4200 Metern beginnt es zu regnen und Graupelschauer ziehen über uns hinweg. Der RACER Thomahawk Jacke macht das aber überhaupt nichts aus. Der Colca Canyon ist nach dem Grand Canyon die zweittiefste Schlucht der Erde, vom Rand der Schlucht erreicht er eine Tiefe von 1200 Meter. Am Cruze de Condor erleben wir am nächsten Tag wie sich die Condore mit Hilfe der Thermik in die Höhe schrauben. Ein imposantes Schauspiel, diesen Vögeln mit über drei Metern Spannweite zuzusehen.
In Tacna überqueren wir die Grenz zu Chile, es geht in den Lauca Nationalpark. Innerhalb kurzer Zeit kommen wir von Meerersniveau (Arica) auf über 4000 Meter.
Beeindruckend die einzigartige Vulkan- und Altiplano- Landschaft. Auf 4750 Metern liegt der Lago Chungara (höchstgelegener Vulkansee der Erde), umgeben von schneegekrönten Sechstausender Parinacota, Sajama, Quisiquisini,Guallatari bieten einen der schönsten Anblicke in Chile. Immer wieder kreuzen Lamas und Vicunas unseren Weg um zu den Bovedals den sumpfig- grünen Weideflächen zu gelangen.
Der kleine Ort Parinacota ist bekannt durch seine Adobe Kirche, hier übernachten wir in einer kleinen Hospedaje und erleben einen grandiosen Sonnenuntergang.
In Sayjama überqueren wir die Grenze zu Bolivien. Über eine Hochebene (4000 M) erreichen wir La Paz.
Von La Paz fahren wir in die Yungas, überqueren den La Cumbre (4600 M) und tauchen in den Dschungel ein, schwüle Luft schlägt uns entgegen. Hier nehmen wir die Ruta las Mortes (Todesstraße) unter die Räder. Eine wilde Schotterpiste, ohne Leitschienen, dafür senkrecht abfallende Wände von über 300 – 400 Metern.
Von Bolivien kommen wir über Copacabana zurück nach Peru an den Titicacasee. Nein wir sind hier nicht in Brasilien. Der bolivianische Ort Copacabana ist der Namensgeber des bekannten Strandes. Von Puno aus unternehmen wir einen Bootsausflug zu den Islas Flotantes de los Uros (schwimmenden Inseln der Uros). Der Besuch ähnelt einem Zoobesuch, Foto gegen Trinkgeld und Anpreisen mehr oder weniger geschmackvoller Souveniers. Interessant allerdings der Aufbau der Inseln und die Lebensweise der Uros.
Wir überqueren den Abla la Raya Pass auf 4312 Meter, hier wird es am Abend empfindlich kalt, da hilft nur schnell die RACER Softshell Jacke unter zu ziehen. Am nächsten Tag machen wir einen Abstecher zur Inka Brücke „Qeswachaca“. Über 50 Kilometer schlimmste Schotterpiste, grobe Felsen und Löcher belasten nicht nur das Öhlinsfahrwerk der BMW, sondern auch unser eigenes! Diese Brücke ist noch eine der letzten, die nach alter Inkatradition aus Gras geflochten wird.
Cusco ist der Ausgangspunkt für den Inka Trail, wir gönnen der BMW eine 4 tägige Pause. Nun heißt es die eigenen Muskeln aktivieren. Sagenhafte Vegetation auf über 3500 Metern, die Luft wird immer dünner, als wir einen Pass mit 4200 Metern überqueren pfeift uns eiskalter Wind um die Ohren, da wird es Zeit die RACER Haube aufzusetzen. Nach 4 Tagen haben wir endlich die legendäre Inka Stadt Machupicchu in den Bergen erreicht. Ein faszinierendes Gefühl in dieser Stadt zu stehen, vor allem unter welchen Bedingungen diese Bauwerke damals erschaffen wurden, einfach grandios!
Zurück in Cusco genießen wir wieder ein weiches Bett. Die Altstadt mit ihrem spanischen Ambiente aus der Kolonialzeit hat auch einiges zu bieten, so hängen wir noch einige Tage zum relaxen an. Wir unternehmen einen Tagesausflug durch das Valle Sagrado (Heiliges Tal), ein äußerst Fruchtbares Tal. Das wussten schon die Inkas und ließen hier in Feldversuchen verschiedenste Gemüse, Getreide und Obst anbauen. In Pisac ist Markttag, herrliches Obst, wie Papaya, Mango, Bananen und Weintrauben werden angeboten. Wir können uns kaum satt sehen an den bunten Türmen aus Früchten, vom zuckersüßen Geschmack ganz zu Schweigen. Weiter geht es mit der BMW durch die Berge, nach Abancay. Plötzlich zieht ein Gewitter auf, die RACER Regenbekleidung ist wieder einmal gefragt und hält uns trocken bis der Spuk wieder vorbei ist. Bei Abancay ist erst mal Schluss mit Asphalt, für die nächsten 400 Kilometer. Die Schotterpiste zieht sich durch faszinierende Berglandschaft. Wir sind hier wieder einmal im Bereich um 4000 Meter unterwegs, überall auf den Feldern arbeiten die Bauern, es ist gerade Mai- und Kartoffelernte. Plötzlich ein LKW Stau, in der letzten Nacht gab es einen Erdrutsch, kein weiterkommen. Die LKW Fahrer geben uns zu verstehen wir sollen einen Kilometer zurück fahren und eine kleine „Nebenstraße“ als Umleitung nehmen. Besagte Nebenstraße entpuppt sich als Morastiger Feldweg, (hier bewähren sich wieder einmal die Pirelli Stollen von Peter Pfaffenwimmer). Scheue Vicunas kreuzen die Piste, dann und wann ein einsames Gehöft mit einigen Kühen und Schafen. Eine seltene Pflanze ist hier zu finden die Puya raimondii, ein Bomeliengewächs. Sie blüht erst nach ca. fünfzig bis hundert Jahren, das auch nur einmal, denn stirbt sie ab. Wir haben das Glück eine blühende Puya raimondii zu sehen.
Eine beschauliche Stadt ist Ayacucho, wenig Tourismus, hier wird man nicht wie in Cuzco alle fünf Meter angequatscht ob man nicht diese Decke- ein Bild kaufen möchte oder zu essen. Entspannt genießen wir auf der Plaza de Armas den Nachmittag. Von Ayacucho queren wir die Westkordillere durch karge Puna- Landschaft. Noch einmal geht es hoch hinaus, wir überqueren den Abra Apacheta (4750 M). Am frühen Abend zieht die BMW nicht mehr so richtig, kann das die Höhe sein? Bis jetzt hat ihr diese kaum Probleme gemacht, natürlich kosten diese Höhen einige PS, aber der Motor zieht kaum mehr. Wir versuchen noch in den nächsten Ort zu kommen um uns dort ein Quartier zu suchen, leider gibt es hier kein Gästehaus. So fragen wir an der Straße bei einem Restaurant ob sie nicht Platz für uns haben. Kein Problem nebenan ist gerade ein Raum fertig geworden, dürfte mal ein Laden werden, denn die Türe besteht aus einem Rollbalken. Inzwischen ist es bereits finster geworden, mit der Stirnlampe repariere ich das chinesische Gasseil dass ich nach der bolivianischen Grenze eingebaut hatte, das war auch der Grund der fehlenden Motorleistung. Gemeinsam mit der BMW verbringen wir die Nacht in dem 3x3 Meter großen Raum auf dem harten Betonboden, als Unterlage dienen nur unsere RACER Hosen- und Jacken. Nach dieser harten Nacht erreichen wir bei Pisco wieder die Pazifik Küste und nehmen uns in Paracas ein gemütliches Zimmer. Wo wir den Tag mit faulenzen am Strand ausklingen lassen. Die nächste Etappe der Küste entlang ist uns ja vertraut, viel LKW Verkehr und trostlose Landschaft Richtung Lima. Gegen Mittag hat uns der chaotische Verkehr von Lima wieder in den Fängen und wir sind froh als wir unser Gästehaus in Miraflores erreichen. Die BMW erwartet die schon lange überfällige „Pflege“ mit dem Dampfstrahler. So kommt sie frisch geduscht in den Lagercontainer, hasta luego bis nächstes Jahr!
Denn da geht es weiter nordwärts nach Ecuador, aber das wird einen andere Geschichte………!
Weitere Fotos und der komplette Reisebericht auf der Hompepage von Franz Steindl:

